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Ansprüche klären

Pflichtteil: den Anspruch richtig einordnen

Ein Testament kann nahe Angehörige von der Erbfolge ausschließen. Ob dennoch ein Zahlungsanspruch besteht, hängt von der Familienkonstellation, der gesetzlichen Erbquote und dem Nachlasswert ab.

Wer kann einen Pflichtteil verlangen?

§ 2303 BGB schützt bestimmte nahe Angehörige, die durch eine Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen sind: Abkömmlinge, den Ehegatten und unter weiteren Voraussetzungen die Eltern. Für entferntere Abkömmlinge und Eltern ist insbesondere § 2309 BGB zu beachten. Geschwister und unverheiratete Partner gehören nicht zum gesetzlichen Kreis der Pflichtteilsberechtigten.

Der Pflichtteil ist grundsätzlich ein Geldanspruch gegen den Erben. Er verschafft weder eine Mitgliedschaft in der Erbengemeinschaft noch automatisch einen Anteil an einzelnen Nachlassgegenständen. Wer bereits einen Erbteil erhält oder ausschlägt, benötigt eine gesonderte Prüfung; die einfache Regel „enterbt gleich Pflichtteil“ beantwortet diese Fälle nicht.

Wie wird die Höhe ermittelt?

Ausgangspunkt ist die Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils. Zunächst muss deshalb feststehen, wer ohne Testament geerbt hätte. Bei Ehegatten können der Güterstand und § 1371 BGB die Berechnung beeinflussen. Erst anschließend wird die Quote auf den maßgeblichen Nachlasswert angewendet.

Nach § 2311 BGB sind Bestand und Wert des Nachlasses zur Zeit des Erbfalls maßgeblich. Bankguthaben, Immobilien, Unternehmensbeteiligungen und Verbindlichkeiten müssen nachvollziehbar erfasst werden. Der Kontostand allein ist deshalb häufig keine belastbare Berechnungsgrundlage.

Zuerst Auskunft, dann Bezifferung

Wer pflichtteilsberechtigt, aber nicht Erbe ist, kann nach § 2314 BGB Auskunft über den Bestand des Nachlasses verlangen. Hinzu kommen unter den gesetzlichen Voraussetzungen Wertermittlung und die Aufnahme eines notariellen Nachlassverzeichnisses. Ob ein Verzeichnis vollständig ist, muss anhand konkreter Lücken geprüft werden.

Der BGH hat entschieden, dass eine Ergänzung auch bei einer durch fehlende Mitwirkung des Erben verursachten teilweisen Unvollständigkeit in Betracht kommt (Urteil vom 20.05.2020 – IV ZR 193/19). Ein bloßer Verdacht macht dagegen nicht jede Auskunft automatisch unzureichend.

Was für die Prüfung hilfreich ist

  • Testament oder Erbvertrag mit Eröffnungsmitteilung.
  • Angaben zu Ehe, Güterstand, Kindern und weiteren Angehörigen.
  • Vorhandene Nachlassaufstellung und Korrespondenz mit den Erben.
  • Hinweise auf Immobilien, frühere Schenkungen und Verbindlichkeiten.

Bei Schenkungen zu Lebzeiten kann zusätzlich ein Pflichtteilsergänzungsanspruch zu prüfen sein. Die Verjährung ist gesondert anhand von Entstehung, Kenntnis und möglichen Hemmungstatbeständen zu bestimmen.

Rechtsgrundlagen und Quellen

Redaktioneller Stand: 30. September 2026. Allgemeine Informationen; die Beurteilung des Einzelfalls setzt die Prüfung der konkreten Unterlagen voraus.

Der nächste Schritt darf klar sein.

Wir besprechen mit Ihnen, was in Ihrer Situation zu klären ist.

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