Der Erbschein belegt die Erbenstellung. Er ist jedoch nicht bei jeder Nachlassabwicklung zwingend erforderlich. Entscheidend ist, gegenüber wem das Erbrecht nachgewiesen werden muss.
Was ein Erbschein bescheinigt
Nach § 2353 BGB erteilt das Nachlassgericht auf Antrag ein Zeugnis über das Erbrecht und bei Miterben über die Größe des Erbteils. Der Erbschein beantwortet damit die Frage nach der Erbenstellung. Er ist kein vollständiges Vermögensverzeichnis und weist auch nicht den Wert des Nachlasses verbindlich aus.
Vor der Antragstellung sollten sämtliche Testamente, die Familienverhältnisse und etwaige Ausschlagungen geprüft werden. Widersprüchliche oder unvollständige Angaben können das Verfahren erschweren.
Banken dürfen nicht stets einen Erbschein verlangen
Der BGH hat für den Nachweis gegenüber einer Bank anerkannt, dass auch ein eröffnetes eigenhändiges Testament ausreichen kann, wenn es die Erbfolge mit der erforderlichen Eindeutigkeit erkennen lässt (Urteil vom 05.04.2016 – XI ZR 440/15). Daraus folgt kein allgemeiner Verzicht auf Erbnachweise: Inhalt, Eindeutigkeit und konkrete Zweifel bleiben entscheidend.
Deshalb sollte zunächst geklärt werden, welche Unterlagen die betreffende Stelle benötigt und aus welchem Grund sie einen Erbschein verlangt. Ein bloßer Verweis auf eine allgemeine Bankpraxis beantwortet die Frage nicht abschließend.
Für das Grundbuch gelten besondere Anforderungen
§ 35 GBO enthält besondere Vorgaben zum Nachweis der Erbfolge gegenüber dem Grundbuchamt. Beruht die Erbfolge auf einer öffentlichen Urkunde, können die Verfügung von Todes wegen und die Eröffnungsniederschrift unter den gesetzlichen Voraussetzungen genügen. Bei verbleibenden Zweifeln kann das Grundbuchamt einen Erbschein verlangen.
Ein eigenhändiges Testament ist damit nicht in jedem Verfahren dem notariellen Testament gleichgestellt. Der Nachweis gegenüber einer Bank und die Berichtigung des Grundbuchs sind getrennt zu prüfen.
Antragstellung in Bremen
Die örtliche Zuständigkeit des Nachlassgerichts richtet sich grundsätzlich nach dem letzten gewöhnlichen Aufenthalt des Erblassers (§ 343 FamFG). Für Bremen-Nord kommt eine Zuständigkeit des Amtsgerichts Bremen-Blumenthal in Betracht. Das Amtsgericht Bremen verlangt für die Beurkundung von Erbscheinsanträgen eine vorherige Terminvereinbarung.
Vorbereitung: Sterbeurkunde, Verfügungen von Todes wegen, Eröffnungsunterlagen und die für die konkrete Erbfolge erforderlichen Personenstandsurkunden zusammenstellen. Welche Nachweise im Einzelfall verlangt werden, sollte vor dem Termin geklärt werden.
Rechtsgrundlagen und Quellen
- § 2353 BGB
- § 35 GBO
- § 343 FamFG
- BGH, Urteil vom 05.04.2016 – XI ZR 440/15
- Termine beim Nachlassgericht Bremen
Redaktioneller Stand: 30. September 2026. Allgemeine Informationen; die Beurteilung des Einzelfalls setzt die Prüfung der konkreten Unterlagen voraus.